Auch das renommierte Goethe-Institut schließt auf und polemisiert undifferenziert gegen den Evangelikalismus. Roland Detsch schreibt für das Institut:
Die Bedeutung christlich-fundamentalistischer Strömungen in der Gesellschaft wird von der deutschen Öffentlichkeit vielfach unterschätzt. Dabei trägt vor allem der missionarische Eifer der Evangelikalen längst auch hierzulande Früchte.
Wer bei religiösem »Fundamentalismus« nur an eifernde Mullahs oder islamistische »Gotteskrieger« denkt, befindet sich auf dem Holzweg. Desgleichen wer angesichts von Piusbruderschaft, Opus Dei oder Opus Angelorum christlichen Konservativismus allein im Umfeld der katholischen Kirche vermutet.Auch wenn die Geistlichen zivil erscheinen, heiraten dürfen, Frauen in Amt und Würden kommen, Gotteshäuser und Ritus profan wirken: Die wahre Heimat christlicher Fundamentalisten ist der uneinheitliche Protestantismus. Allen voran der Evangelikalen, die sich vielfach in Freikirchen finden, aber auch in evangelischen Landeskirchen, denen sich fast jeder zweite der geschätzten 1,4 Millionen Evangelikalen zugehörig fühlt.
Hier der vollständige Beitrag und eine eMail-Adresse für konstruktive Kritik: www.goethe.de.

vielleicht noch einige Anmerkungen.
Die evangelikale Bewegung ist in den wesentlichen Kernpunkten des Glaubens eins, ansonsten durchaus verschieden. Wenn ich hier von rechts oder links spreche, könnte ich auch progressiv/sozial oder konservativ/wahrend sagen. Insider kennen Namen wie Rene Padilla und Ron Sider, die im ersten Punkt Schrittmacher international waren.
Man findet in der evangelikalen Bewegung ein weites Spektrum an Überzeugungen, begegnet unterschiedlichen Lehrverständnissen. Politisch findet man Grüne wie CDUanhänger. Wenn geistliche Fehlentwicklungen innerhalb der evangelikalen Bewegung beobachtet und angemahnt werden, die eindeutig keine biblische Basis haben, hat das nicht mit “Keil dazwischen treiben” zu tun. Medien haben ein Wächteramt und ich bin den evangelikalen Medien dankbar, wenn sie selbstkritisch ihre Stimme erheben, bevor es säkulare Organe tun, die bisher sehr viel verwechselt haben.
Einige charismatische Gruppen sind nun mal eifriger und lauter als andere, aber es sind gewiss nicht alle. Dennoch ist alles, was mit der menschlichen Seele zu tun hat, sensibel und erfordert Prüfung. In der geistlichen Arbeit haben wir es mit Menschen zu tun, die uns ihr Leben zum Teil anvertrauen, und es gilt dieses Vertrauen unter keinen Umständen zu missbrauchen. Ich möchte ein ganz starkes Plädoyer für Ausgewogenheit halten, aber auch für die mehr Engagement in konservativen Kreisen, was die geistliche und soziale Not in unserer Welt angeht.
wir haben einen kleinen Teil Eiferer in unsren Reihen, aber ich kann
für alle Angehörigen der evangelischen Allianz sagen, dass sie sehr staatstragend sind und es schlichtweg üble Nachrede ist, sie in die Nähe von Staatskritik zu bringen.
Ja, es rächt sich vielleicht, dass bibeltreue Kreise bisher so still waren und im Verborgenen viel Gutes zum Wohle des Gemeinwesens getan haben. Mir fehlen in der Tat die wissenschaftlichen Untersuchungen,(lasse mich gerne belehren, wenn es sie gibt) die man auch der säkularen Presse zugänglich machen könnte über Themen:
1) Politische Überzeugungen innerhalb der Freikirchen
2)sozialwerke innerhalb des Pietismus und der Freikirchen im Vergleich zu den Klöstern
3) Glaube in der zweiten und dritten Generation
4) neue Gemeindegründungen in Deutschland
5) Engagement für das Gemeinwesen in evangelikalen Gemeinden
6) Die Spannung zwischen Dringlichkeit des Evangeliums und Vernachlässigng des Auftrags
In diesem Zusammenhang noch einmal Dank an 3sat, die einen ausgezeichneten Beitrag über Freikirchen in der Schweiz gesandt haben. Es wurde ein Beitrag von einer Taufgesinnten Gemeinde einer charismatischen Gemeinde in Winterthur gegenüber gestellt. Trotz kritischer Fragen ein super Beitrag.
Danke für die Antworten.
Genaugenommen weiß ich jetzt immer noch nicht so genau – warum ich hier im Blog gerade politisch „links“ einzuordnen bin?
Liegt das daran, dass ich den Zentralrat der Juden zitiert habe? Oder wegen dem Wikipedia-Zitat?
Habe ich an irgendeiner Stelle die Unwahrheit gesagt? Wenn zu meiner Selbstreflexion ein Zitat zur Hand wäre, das ich hier geschrieben habe und das ganze erhellt – wäre das hilfreich.
Garde in diesen Tagen habe ich wegen meiner Webseite http://www.fundamentalismusdebatte.de einige Emails bekommen, in denen zum Ausdruck kommt, dass ich wohl politisch „rechts“ einzuordnen wäre.
Ich glaube, das hängt auch damit zusammen, ob man auf meiner Webseite nur die oberen, oder nur die unteren Beiträge liest.
Genauso wie es vielleicht darauf ankommt, ob man seitens der Deutschen Evangelischen Allianz (www.ead.de) Jürgen Werth (Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz), oder Hartmut Steeb (Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz) hört oder liest.
Übrigens hat sich unter http://www.jesus.de/forum/ansicht/thread/thema/junge-freiheit-ehrt-idea.html Hartmut Steeb (Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, http://www.ead.de) am 26.12.2009 persönlich zu der Debatte geäußert. Hier der Beitrag im Wortlaut:
„Natürlich kann man sich immer die Frage stellen, wo man schreibt, wo man dem Abdruck eines Artikels zustimmt, von wem man Ehrungen entgegen nimmt.
Ich habe vor vielen Jahren einen einzigen Artikel in “Die junge Freiheit” geschrieben. Vielleicht lohnt es sich, diesen mal anzuschauen. Ich stehe nach wie vor dazu.
Dass die Junge Freiheit darüber hinaus häufig über unsere Positionen in Sachen Pro Familie, Pro Lebensschutz, Pro Religionsfreiheit, Pro Demokratie, Pro Rechtsstaatlichkeit, Pro Ehe berichtet, kann mich doch nur freuen. Die Frage ist eher, warum verschweigen so viele andere diese Positionen.
Dass die Evangelikalen deshalb dabei wären sich zu verändern, finde ich eine gewagte Behauptung. Wir als Deutsche Evangelische Allianz stehen jedenfalls weiter auf unserer Grundlage.“
(26.12.2009 – 12:03 Uhr, Junge Freiheit ehrt idea, http://www.jesus.de)
Hier mein letzter Beitrag zum Thema (auch unter http://www.jesus.de/forum/ansicht/thread/thema/junge-freiheit-ehrt-idea.html ):
Die Evangelikalen – wer ist das eigentlich?
Hierzu und wie sehr sich die Evangelische Allianz (http://www.ead.de ) nicht verändert hat, sind mir nachfolgende Zitate in den Sinn gekommen. Es geht um schwarze Schafe (siehe ganz unten) und Christen, die noch nicht auf Linie sind.
Was hat das alles mit der Diskussion um die „Junge Freiheit“ zu tun? Mein persönlicher Eindruck ist, dass sich u. a. Schwerpunktthemen der Evangelikalen (Pro Familie, Pro Lebensschutz, Pro Religionsfreiheit, Pro Demokratie, Pro Rechtsstaatlichkeit, Pro Ehe etc.) zunehmend auf eine politische Ebene verlagern. Das heißt nicht, dass es diese Themen nicht wert wären diskutiert zu werden. Aber ist es die Sache wert, sich dabei mit einem Partner wie der Jungen Freiheit einzulassen, nur weil uns sonst niemand anders eine (weltliche) Plattform bietet?
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“Die Evangelikalen – wer ist das eigentlich? … Es bleibt uns gar nichts anderes übrig als diesen Begriff zu akzeptieren und versuchen ihn neu zu füllen. […]
Ich glaube, dass ich sagen kann – für unsere Bewegung [Evangelische Allianz], dass die Zahl derjenigen, die die Bibel Wort für Wort wörtlich nehmen – die sagen jedes Wort, jeder Buchstabe ist verbal von Gott inspiriert – und die Bibel ist sozusagen vom Himmel gefallen, dass der Kreis derjenigen nicht allzu groß ist. […]
Ich würde für mich nicht sagen ich bin Fundamentalist, und ich glaube ich kann das auch nicht für die Evangelische Allianz [http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Allianz ] sagen.”
Jürgen Werth (7. Oktober 2007, Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Direktor des Evangeliums-Rundfunks (ERF), Hardliner Gottes – die Diskussion. Diskussion mit Meinhard Schmidt – Degenhard über christliche Fundamentalisten in Deutschland. Hessischer Rundfunk, Sonntag, 7. Oktober 2007, 10:00 Uhr, HR Horizonte)
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Jürgen Werth: “Die ganze Frage der Schöpfung wird sehr unterschiedlich gesehen.” […]
Meinhard Schmidt – Degenhard: “Würden Sie – Stichwort Kreationismus – für sich sagen, ich glaube, dass Gott das wirklich vor sechs bis siebentausend Jahren in sechs Tagen gemacht hat?”
Jürgen Werth: “Ich für mich glaube das nicht.”
Meinhard Schmidt – Degenhard: “Sie glauben das nicht?”
Jürgen Werth: “Ich kann jetzt nicht für die ganze Bewegung [Evangelische Allianz] sprechen. Ich glaube zwar, dass Gott das tun kann – also wenn ich an Gott glaube, glaube ich auch, dass das ihm möglich ist. Aber ich glaube auch, dass ihm das möglich ist, das in einem Prozess zu machen, der über viele Millionen Jahre geht.”
Jürgen Werth (7. Oktober 2007, Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Direktor des Evangeliums-Rundfunks (ERF), Hardliner Gottes – die Diskussion. Diskussion mit Meinhard Schmidt – Degenhard über christliche Fundamentalisten in Deutschland. Hessischer Rundfunk, Sonntag, 7. Oktober 2007, 10:00 Uhr, HR Horizonte)
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Volker Panzer: “Glauben Sie, dass Darwin Recht hat?”
Jürgen Werth: “Das ist eine Frage, auf die ich keine wirkliche Antwort habe. Ich glaube aber auch nicht, dass es eine wirklich entscheidende Frage ist.”
Jürgen Werth (16. November 2009, Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Direktor des Evangeliums-Rundfunks (ERF), Gehet hin in alle Welt!, ZDF Nachtstudio, http://www.zdf.de )
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“Diplomatie ist die Fähigkeit, so zu tun, als täte man nicht so.”
Boleslaw Barlog (1906 – 1999, deutscher Regisseur)
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“Seit langem schon wird von Seiten bibelkritischer und „ökumenischer Theologie“ versucht, die Gegensätze zwischen Islam und christlichem Glauben zu verharmlosen und eine gemeinsame geistliche Wurzel der vermeintlich „Abrahamitischen Religionen“ zu behaupten. [...]
Im Oktober [2007] hatte zunächst eine Gruppierung von 38 muslimischen Gelehrten einen „Offenen Brief“ an den Papst und weitere Kirchenführer u.a. von Orthodoxie, Luthertum, Reformierten und Baptismus geschickt. Er steht unter dem Motto: „Ein gemeinsames Wort zwischen uns und euch“. Durch den Vergleich von Koran- und Bibeltexten will man belegen, dass es eine substantielle Gemeinsamkeit zwischen dem angeblich auf beiden Seiten gelehrten Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe gebe. Es soll suggeriert werden, dass es sich bei Allah und Jahwe letztlich um den einen Gott handele, dem beide Religionen von ganzem Herzen zu dienen versuchten. [...]
So wundert es nicht, dass der „Offene Brief“ schon bald eine zustimmende „christliche Antwort“ [http://www.yale.edu/faith/acw/acw.htm ] erhielt (A Christian Response). Darin bitten die Unterzeichner um Vergebung für das von Christen an Moslems geübte Unrecht – und zwar erbittet man diese Vergebung sowohl von „dem Allerbarmenden Einen“ (All-Merciful One) als auch der weltweiten muslimischen Gemeinschaft. Zugleich wird die „tiefe Einsicht“ gelobt, mit der die muslimische Erklärung gemeinsame Grundlagen zwischen der muslimischen und der christlichen Gemeinschaft identifiziere. Diese gemeinsame Basis betreffe nicht nur Nebensächliches, sondern sogar „Fundamente des Glaubens“ (fundamentals of faith). [...]
Seine dramatische Dimension erhält der Vorgang dadurch, dass inzwischen führende Evangelikale aus dem englischsprachigen Raum die „Christliche Antwort“ [http://www.yale.edu/faith/acw/acw.htm ] unterstützen und sich mit ihrer Unterschrift dazu bekannt haben. …
u.a. … John Stott, Bill Hybels [Willow Creek], Rick Warren [Leben mit Vision], George Verwer.
Auch maßgebliche Vertreter der Evangelischen Allianz [http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Allianz ] haben die Erklärung inzwischen unterzeichnet: Geoff Tunnicliffe (Internationaler Direktor der Weltallianz), Bertil Ekström (Exekutiv-Direktor der Missionskommission), William Taylor (Internationaler Botschafter der WEA [http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Allianz ]).
Angesichts dieses interreligiösen Engagements der Allianz wirft ein anderes Projekt, an dem sie beteiligt ist, neue Fragen auf.
Im August fand in Toulouse eine gemeinsame Tagung des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog (Vatikan), des ÖRK-Programms für Interreligiöse Zusammenarbeit (Ökumenischer Rat der Kirchen, Genf) und der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) statt. Letztere war u.a. durch den deutschen Theologen Thomas Schirrmacher [http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Schirrmacher ] vertreten.
Gemeinsam will man einen Ethik-Kodex für Bekehrungen [siehe unten] erarbeiten, mit dem dann „schwarze Schafe“, die sich laut Schirrmacher in allen theologischen Lagern befinden, zur Rechenschaft gezogen werden sollen.”
Dr. Wolfgang Nestvogel (07.12.2007, Leiter der Akademie für Reformatorische Theologie (ART) Hannover)
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“Vor Jahren wäre das, was vom 8. bis 12. August 2007 in Toulouse stattfand, in der Tat noch undenkbar gewesen: Erstmals beteiligten sich Vertreter der missionarisch gesonnenen Evangelikalen an einem gemeinsamen Studienprozess von Vatikan und Ökumenischem Rat der Kirchen (ÖRK) – und dabei zeigten sich Repräsentanten der evangelikalen Bewegung optimistisch über die Möglichkeit, zu allgemein anerkannten christlichen Verhaltensmaßstäben beim Thema Bekehrung zu kommen. [...]
Eine Beteiligung der Weltallianz [http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Allianz ] sei entscheidend, wenn es darum gehe, »schwarze Schafe« für eine Evangelisation mit Respekt für andere Glaubensüberzeugungen zu gewinnen.
Wer sind wohl die »schwarzen Schafe«?
Die, die noch nicht auf Linie sind und nicht in den angestrebten Verhaltenskodex passen? Der Verhaltenskodex könnte sehr wohl das Ende von Evangelisation und Mission bedeuten, wenn sich das, was der Generalsekretär des Kirchenrates von Malaysia Hermen Shastri (Kuala Lumpur) bei derselben Konferenz in guter »ökumenischer Tradition« forderte, durchsetzt:
Religiöse Verkündiger müssten anerkennen, dass keine Religion ein »Monopol auf die Wahrheit« habe und es viele Wege zum Heil gebe.
Wer so redet, ist sich des Heils wohl selbst nicht mehr gewiss. Kann so etwas die Weltallianz mittragen? … Bis etwa 2010 soll aber auch der Verhaltenskodex umgesetzt und kontrolliert werden, wobei offen bleibt, wie dies geschehen soll. [...]
Wenn der Ruf zu Glaube und Buße aufhört, wie dies ja gefordert wurde, und die Weltallianz dies mit trägt, dann gibt sie damit nicht allein ihr ursprüngliches Ziel auf, sondern trägt auch, was weit schlimmer ist, zum Unheil von Menschen bei, wenn sie nicht mehr laut und deutlich bekennt:
Jesus Christus ist der einzige Weg zum Heil; Christus allein.”
Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ (Dezember 2007, Informationsbrief Nr. 245, Seite 28 f., http://de.wikipedia.org/wiki/Kein_anderes_Evangelium )
Lieber Michael,
mir faellt auf, dass Sie sich jeder inhaltlichen Diskussion entziehen, und nur verweisen auf Autoritaeten, oder Zitate bringen. Das ist schade. Es liegt nicht daran, dass Sie nicht inhaltlich diskutieren KOENNTEN. Gehen sie doch erst mal inhaltlich auf alles oben Gesagte ein. Sonst hat die Diskussion mit Ihnen leider keinen Sinn.
Ich denke, wir sollten uns einfach persönlich an Jesus Christus, unseren Herrn und Gott, hängen und Gottes Wort für uns selbst ernst nehmen. Organisationen und Institutionen nehmen uns das nicht ab. Noch spätestens 50-mal Weihnachten, dann werde ich Ihn wohl sehen. Was spielt das alles hier dann noch eine Rolle?
Die Geschichte einer Verleumdung (kath.net/idea)
(Quelle: 07. Januar 2010, http://kath.net/detail.php?id=25151)
Kommentar von Helmut Matthis (Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea)
„Es berührt merkwürdig, wenn ausgerechnet von einer Kirche, die der Wahrheit verpflichtet sein sollte, eine Pressemitteilung erscheint, die schon in der Überschrift falsch ist, denn der „Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreis für Publizistik 2009“ – um ihn geht es tatsächlich – wird gar nicht in erster Linie von der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ verliehen! (Und wenn es so wäre: Warum soll eine Zeitung nicht mit Zustimmung der Familie des Namensgebers einen Preis verleihen dürfen?)
Zum Hintergrund: Einer der führenden westdeutschen Fernsehjournalisten der Nachkriegszeit war Gerhard Löwenthal (1922 bis 2002). Als Jude im KZ Sachsenhausen inhaftiert, wurde er in der Nachkriegszeit vor allem bekannt als Leiter des ZDF-Magazins. Woche für Woche setzte er sich in insgesamt 587 Sendungen für politische Häftlinge – besonders auch Christen – in kommunistischen Staaten ein. Unter der Rubrik „Hilferufe von drüben“ gab er Angehörigen von inhaftierten Gewissensgefangenen in der DDR eine Stimme und sorgte nicht selten für die Freilassung bzw. Hafterleichterung. Er wurde u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Meine persönliche Verbindung zu Löwenthal bestand bereits seit 1974, als ich als Theologiestudent mitverantwortlich für die Studentenmission in Deutschland (SMD) in Hamburg war. Als wir davon hörten, dass die Kapelle der damals im Zuge der 68er-Bewegung marxistisch orientierten Evangelischen Studentengemeinde (ESG) als Abstellkammer missbraucht wurde, baten wir darum, sie wieder ihrem eigentlichen Zwecke zuführen zu dürfen. Es wurde uns erlaubt. Da in der Kapelle kein Kreuz hing, brachten wir ein Holzkreuz an, das aber bald wieder von der Leitung der ESG abgehängt wurde. Als hier Proteste nicht halfen, wandte ich mich an Gerhard Löwenthal. Er berichtete dann tatsächlich im ZDF-Magazin über den Skandal. Das Kreuz durfte dann dauerhaft bleiben. Der Jude Löwenthal hatte also mit dafür gesorgt, dass in einem Kirchenhaus ein Kreuz hängen durfte. Fortan blieb ich dem Journalisten verbunden. Als nun seine Witwe – die Ärztin Dr. Ingeborg Löwenthal – wollte, dass mir der nach ihrem Mann benannte Preis für das Jahr 2009 verliehen wird, habe ich zugesagt, ist mir doch der Namensgeber in seinem Einsatz für unrechtmäßig Verfolgte ein Vorbild. Ich fragte mich nur, ob ich wirklich des Preises würdig sei im Blick auf die hohe Bedeutung meiner Vorgänger.
2008 hat ihn einer der bedeutendsten Fernsehjournalisten und Bestsellerautoren, Prof. Dr. Peter Scholl-Latour (u. a. war er Herausgeber des linksorientierten Magazins „Stern“ und Fernsehdirektor des wahrlich nicht konservativen WDR), bekommen. Zuvor waren es bereits u. a. der liberale Verleger, „Zeit“-Autor und Nationalpreisträger Wolf Jobst Siedler (Berlin) und die Begründerin der Meinungsforschung und langjährige Chefin des Instituts für Demoskopie in Allensbach, Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann.
Verliehen wird der Preis seit 2007 von der gemeinnützigen „Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung“ in Berlin. Als Kooperationspartner fungiert die Wochenzeitung „Junge Freiheit“. (Die Verbindung der Förderstiftung zu ihr besteht darin, dass zum Stiftungsrat neben Kirchenrat Dr. Rolf Sauerzapf und Klaus Peter Krause (Geschäftsführer i. R. der FAZIT-Stiftung, die Eigentümer der FAZ ist) u. a. auch Chefredakteur Dieter Stein gehört.) Nur wer die „Junge Freiheit“ noch nie gelesen hat, kann sie für extrem halten. Sie ist eine konservative Wochenzeitung – sonst hätten Persönlichkeiten wie Siedler, Noelle-Neumann und Scholl-Latour den Preis auch nie entgegengenommen. In meinem Fall gab es nun große Aufregung. Obwohl der Laudator ein evangelischer Kirchenrat – Dr. Rolf Sauerzapf (Kassel) – war, äußerte von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland der Bildungsreferent, Oberkirchenrat Christhard Wagner (Eisenach), mit der Annahme des Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreises sei „die Gefahr verbunden, dass die Tabugrenze im Graubereich zum Rechtsextremismus weiter nach unten verschoben wird“. Dann aber wären auch die liberalen bis linksliberalen Spitzenköpfe unseres Landes wie Prof. Scholl-Latour, Siedler und Prof. Noelle-Neumann und der konservative Gelehrte Caspar von Schrenck-Notzing (Preisträger 2005) alle im „Graubereich zum Rechtsextremismus“ angesiedelt.
Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hat idea (wie natürlich auch dem Ansehen von Gerhard Löwenthal, Kirchenrat Sauerzapf, Prof. Peter Scholl-Latour, Wolf Jobst Siedler, Prof. Noelle-Neumann und Dieter Stein) schwer geschadet, vor allem weil sie keinen einzigen dieser Fakten erwähnt und idea in einen Zusammenhang gebracht hat, der völlig inakzeptabel ist. Das aber wissen viele Leser der Tages- und Kirchenpresse nicht, die über die Pressemitteilung berichteten. Die Kirchenpresse, die sich daran beteiligte, hätte es besser wissen können, aber sie informierte manipulativ und einseitig. Zu nennen sind hier vor allem die Evangelische Zeitung für Niedersachsen, die mitteldeutsche Zeitung „Glaube und Heimat“, die sächsische Kirchenzeitung „Der Sonntag“, das Berliner Wochenblatt „die kirche“ und die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA).
Laut KNA äußerte der Leiter des Referates der EKD für Publizistik, Oberkirchenrat Udo Hahn (Hannover), er hätte mir – wenn er gefragt worden wäre – abgeraten, den Preis anzunehmen. Damit steht er nicht allein. Von den wenigen, die ich fragte, haben dies fast alle ebenso getan – nicht weil sie etwas gegen den Preis hätten, sondern weil sie wissen, dass man in unserm Land alles annehmen kann, wenn man links ist – aber wehe, man ist es nicht!
Warum habe ich den Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreis für Publizistik trotzdem angenommen (er ist übrigens mit keinem Euro Preisgeld verbunden)? Weil ich mich sonst gegenüber einem Juden geschämt hätte, der wie kaum ein anderer Journalist im Westen für Verfolgte und Entrechtete im kommunistischen Bereich eingetreten ist und sich wie sonst kein Fernsehverantwortlicher für die Wiedervereinigung Deutschlands engagiert hat. Nun wird ausgerechnet sein Name aus einer mitteldeutschen Kirche beschmutzt. Ich hätte auch nie für möglich gehalten, dass ein von den Nationalsozialisten verfolgter prominenter deutscher Jude von einer deutschen Landeskirche – sie wurde Anfang 2009 aus der thüringischen Landeskirche (mit Sitz in Eisenach) und der Kirchenprovinz Sachsen (Magdeburg) gebildet – je mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht werden könnte. Nach der Logik des Bildungsdezernenten Wagner müsste man nun die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland kritisieren, befinde sie sich doch mit ihrer Kritik „im Graubereich zum Antisemitismus“.
Das Problem ist also nicht der Löwenthal-Preis oder die „Junge Freiheit“, sondern eine evangelische Kirche, die in ihrem massiven „Kampf gegen Rechtsextremismus“ alles, was nicht links ist, unter den Generalverdacht stellt, rechtsextrem zu sein. Gegen Linksextremismus wendet sich bisher keine Landeskirche, obwohl gerade Ende des Jahres festgestellt wurde, dass sich beispielsweise in der deutschen Hauptstadt die Zahl linksextremistischer Gewalttaten 2009 verdreifacht hat, während die Zahl rechtsextremer Gewalttaten bis November 2009 deutschlandweit um 8,5% gesunken ist. Die konservativen Kirchenmitglieder sind – fern allem Rechtsextremismus, der ebenso wie Linksextremismus mit dem Christsein unvereinbar sein sollte – die treuesten Kirchenanhänger, wie viele Analysen ergeben haben. Dennoch sind sie in den letzten Jahren kirchenleitend und durch synodale Äußerungen häufig verprellt worden. Merkwürdig nur, dass man bei den ungeliebten Kindern nie gleichzeitig auf Spenden und Kirchensteuern verzichten wollte.“
(Quelle: 07. Januar 2010, http://kath.net/detail.php?id=25151)