Der Logiker und Religionskritiker Christoph Zimmer fährt in seinem Aufsatz „Theist – Atheist“ schwere Geschütze auf:
Gutes täte Mensch kraft Religion, Böses, da er ungläubig und widerspenstig. Ein solches System, abgesehen von seiner vulgären Primitivität, und abgesehen auch von seiner Schäbigkeit und Perfidie, setzt Moral und Amoral in eins. Theist hat es installiert. Wer ethische Orientierung sucht, Anstand in sein Leben bringen will, ist mit Theismus auf der falschen Fährte. Er muß umkehren, sich auf Vernunft besinnen. Atheist, wenn er des Theismus Fallen zu umgehen lernt, je ferner er sich von ihm hält, je weniger durch ihn noch infiziert, desto eher ist er der bessere Mensch.
Der Mathematiker Frederik Herzberg hat für TheoBlog.de Zimmers Streitschrift gelesen und meint:
Dr. Christoph Zimmers Schrift „Theist – Atheist“ beeindruckt ihre Leser literarisch und rhetorisch – und stellt auf diese Weise sicher eine wirksame Werbung für die dogmatisch-atheistische Position ihres Verfassers dar. Leider erschöpfen sich hierin im Wesentlichen die Vorzüge dieses Werks, denn der Verfasser argumentiert trotz gelegentlicher einfacher Anwendungen von erststufiger Prädikatenlogik – meist anekdotisch oder assoziativ und nur gelegentlich auf wissenschaftlichem Niveau philosophisch.
Die Kurzbesprechung von Frederik Herzberg mit dem Titel „Eifer braucht Vernunft“ kann hier heruntergeladen werden: FH_TA.pdf.

Wie mir scheint, will der Autor die Beweislast bei denen niederlegen, die an Gott glauben. So kann man es sich leicht machen, und sagen: “Beweise es mir doch”, dabei die Arme verschraenken, und bei jedem versuchten “Beweise” sagt man: “ueberzeugt mich nicht”.
Man koennte als Christ eine Gegenschrift verfassen und sagen: der Atheist soll mir mal beweisen, dass Gott nicht existiert. (Na dann mal los… das ist naemlich unmoeglich).
Und weiter:
Zimmer sagt auf S. 5 unten bzw. 6 oben, die “Erfahrung” von Gott hiesse, man muesse Gott dann auch mithilfe der empirischen Wissenschaft belegen koennen. Das ist aber falsch. Beispiel: in der Bibel heisst es: wer Gott von ganzem Herzen, d.h. aufrichtigen Herzens, sucht, wird Ihn finden. Wer nun ehrlichen Herzens betet, dass Gott sich ihm offenbaren moege, wird – z.B. durch die Erfahrung des Glaubens, oder eines Wunders, oder indem Gott seinem Geist bezeugt, dass die Bibel wahr ist – zu der Ueberzeugung kommen, dass die Bibel wahr ist.
Gott kann sich dem einen oder anderen also durch eine spezifische Erfahrung offenbaren.
Das heisst aber noch NICHT, dass dies mithilfe der empirischen Wissenschaft erfasst werden kann. Denn die Vorbedingung “ehrliches Herz” ist nun mal auch nicht mit der empirischen Wissenschaft messbar.
D.h. eine Erfahrung mit Gott kann objektiv wahr sein. Sie ist nun mal passiert. Und jedem – intersubjektiv – gilt diese Verheissung (wenn Du von ehrlichem Herzen suchst…). Und trotzdem lassen sich diese Bedingungen nicht in einer experimentellen Anordnung festhalten.
Gott ist souveraen, er laesst sich nicht in menschlichen “Experimentvorrichtungen” festhalten. (Das waere kein Gott, an den es sich lohnen wuerde zu glauben).
Natuerlich nicht. Gottes Existenz ist unabhaengig von dem, ob manche an ihn glauben oder nicht. (Schoen, dass Zimmer wenigstens nicht postmodern ist oder Konstruktivist und meint, wir “konstruieren” uns unsere eigene Realitaet
)
Der erste Satz stimmt, der zweite ist nur teilweise wahr. Fuer den Einzelnen kann es doch durchaus relevant sein, welche Weltanschauung man hat, da sie die Taten beeinflussen. Und wenn “Glaube” – so wie in der Bibel beschrieben – der von Gott bezeichnete Weg zum Heil ist, dann hat das sogar SEHR grosse Konsequenzen. (Aber abgesehen vom Jenseits: auch im Diesseits bestimmt der Glaube bzw. die Weltanschauung (die ja immer auf Glauben basiert, auch die atheistische) schon stark die Handlungen. Wie der Mensch denkt, so IST er.)
Erkenntnis basiert vielfach auf Plausibilitaet. Das ist doch auch in der Wissenschaft so. Ob die Relativitaetstheorie stimmt, oder die Quantentheorie, dafuer kann man bestimmte Begruendungen angeben, bestimmte Tatsachen, die zu der Theorie passen. Andere Tatsachen passen weniger gut. Man muss dann ueberlegen, was mehr Sinn macht.
In der Sozialwissenschaft (Politik, Recht, Wirtschaft) geht es ja oft darum, welches Menschenbild das richtige ist. “Was der Mensch ist”, also ob er z.B. gut oder boese, frei oder unfrei, verantwortlich, autonom oder nicht autonom, objektiv oder subjektiv denkend, etc. ist, das wird man nie per Reagenzglas messen koennen.
Man kann versuchen, eine Theorie aufstellen, z.B. “der Mensch ist gut”, und versuchen, sie anhand der Realitaet pruefen, und die dann im Lichte der Fakten revidieren, oder ablehnen, oder beibehalten. Das Problem bleibt aber: der subjektive Mensch ist es, der die Realitaet interpretiert. (Also z.B. werden manche Leute das Ende des Sozialismus anders interpretieren als andere).
Fuer die Theorie, dass Gott nicht existiert, kann man Gruende angeben, die mehr oder weniger plausibel sind. Fuer die Theorie, dass Gott existiert, kann man auch Gruende angeben. Letztlich wird man sich fuer den Glauben entscheiden, wenn es einem plausibler erscheint als dass Gott nicht existiert.
Denn dass Gott nicht existiert: dazu muesste man ja auch “Fakten” haben. Da man die nicht hat, muss man sich mit Hypothesen und Plausibilitaeten bemuehen.
Schoen, hier scheint Dr. Zimmer die liberale Theologie zu kritisieren, die den Glauben an die Wahrheit der Schrift aufgegeben hat. Aber Dr. Zimmer beschreibt hier nicht das traditionelle Christentum. Natuerlich ist die Existenz Gottes wichtiger als unser Glaube. Die allgemeine Gnade Gottes ist allen zugaenglich, denen, die glauben, und denen die nicht glauben (Matth 5,45: “Denn er laesst seine Sonne aufgehen ueber Boese und Gute und laesst regnen ueber Gerechte und Ungerechte”). Aber wenn man an Christus glauben muss, um das ewige Leben zu erhalten, dann nutzt einem die Tatsache, dass Christus an’s Kreuz gegangen ist, nichts, wenn man nicht selber daran glaubt, denn durch den Glauben macht man sich diese Tatsache zu eigen. Warum das so ist, das ist eine andere Frage. Gott hat das nun mal so entschieden, dass wir Menschen hier “im Glauben” leben muessen, das “Schauen” kommt erst spaeter, bzw. gibt es hier schon manchmal als “Anzahlung”, aber nur ansatzweise.
Die Schlussfolgerung ist nicht nachvollziehbar. Kein Christ oder anderweitig glaeubiger wuerde sagen, dass sein eigener Glaube das Objekt des Glaubens hervorbringt.
Er widerlegt hier nur die Sicht mancher Theologen, die nicht mehr an objektive Wahrheit glauben. Das darf er gerne tun.
Abschnitt 1.3 und weiter ist dann der Versuch, mit durch eine “Formalisierung” von Aussagen in der Sprache der Logik etwas auszusagen. Aber: unlogische Aussagen, in die formale Sprache der Logik verpackt, werden deshalb noch nicht logischer…
Das stimmt natuerlich: die Aussage, jemand sei Theist, sagt natuerlich noch nichts darueber aus, ob Gott existiert. Die Existenz von Theismus sagt noch nichts ueber die Existenz von Gott. Das heisst aber nicht, der Theismus haette nichts mit Gott zu tun; das ist wieder eine missverstaendliche Aussage.
Das stimmt natuerlich. Nur die Schlussfolgerung ist verkuerzt. Fuer die Tatsache, dass Gott existiert, macht es GAR keinen Unterschied, ob in der ganzen Weltgeschichte niemand an ihn glaubt, oder alle, oder einige. Aber fuer den Einzelnen macht es eben den entscheidenden Unterschied. Denn laut Bibel kommen die zum Licht, die gute Taten tun, die anderen ziehen die Finsternis vor – sie wollen lieber keine Busse tun, da sie die Finsternis mehr lieben als das Licht. (Denn letztlich haben alle Menschen es noetig, Busse vor Gott zu tun). Wenn nun bereit ist, Busse zu tun, der wird weitersuchen, bis er Gott findet. D.h. dieser Glaubensweg zeigt oft die Herzenseinstellung. Daher ist es eben entscheidend, ob man glaubt oder nicht.
Gerade der Protestantismus vertritt ja das Priestertum aller Glaeubigen. Wir alle koennen einen direkten Zugang zu Gott haben. Und uns auf Basis der Bibel zu Glaubensfragen aeussern. Wenn der Autor aber allgemein kritisiert, dass die christliche Religion (wie jede andere Sicht) bestimmte Sichtweisen fuer WAHR und andere fuer FALSCH ansieht, dann mag das subjektiv aergerlich sein, aber das ist ja nicht zu vermeiden.
In Abschnitt 2 geht es dann munter weiter. Anstatt wirkliche Argumente zu bringen, verbringt der Autor seine Zeit damit, bestimmte Aussagen in die Sprache der Logik hinein zu formalisieren, und dann zu versuchen, Widerspueche zu konstruieren oder bestimmte Schlussfolgerungen zu ziehen, die er mit normaler Sprache nicht ziehen wuerde.
Aber gut – wer zu viel Zeit hat, kann sich damit ein wenig vergnuegen, das zu lesen…
Hi Roderich,
ich kann deinen Beitrage gerade nicht komplett lesen. Aber
stimmt so nicht ganz
Man könnte sehr wohl “beweisen”, dass es Gott nicht gibt. Z.B. indem man aufzeigt, dass ein bestimmter Gottesbegriff widersprüchliche Eigenschaften aufweist. Wenn gezeigt werden kann, dass bestimmte Eigenschaften Gottes nicht miteinander vereinbar sind, ist dies eine Widerlegung der Existenz der fraglichen Entität (bzw. dieses einen Gottesbegriffs). Was logisch unmöglich ist – wie z.B. quadratische Kreise – kann nicht existieren.
Liebe Grüße
Jo
OK – insofern hast Du recht. (Da wäre ich aber gespannt auf den konkreten Beweis – und könnte sagen: “überzeugt mich nicht”
)
Allgemein auf die Existenz EINES (unbestimmten) Gottes bezogen: Ein universales Negativ ist schwer nachzuweisen. Man müsste nachweisen, dass noch nie jemand auf der Welt eine Erfahrung mit Gott gemacht hat, und dass auch keiner eine machen kann. (Eine Erfahrung eines Menschen mit Gott, wenn sie nachweisbar wäre, wäre schon ein Gegenbeweis gegen die These, Gott existiert nicht).
Wenn man Gott jemandem beweisen will, der intellektuell unredlich ist, kann er bei jedem Argument sagen: überzeugt mich nicht.
Daher macht die Beweislast schon viel aus.
Aber wie dem auch sei, dies bezog sich ja nur auf die Einleitung.
Betonung auf “zu”. Vergnügen ist es indes nicht; Dr. Zimmer befleißigt sich eines Schreibstils, der mir die Lektüre schon aus diesen Gründen versagt.
Ich lese nichts mehr, was schlecht geschrieben ist. Wer beim Schreiben nicht an den Leser denkt …
Aber gut: Dr. Zimmer hat wenigstens einen Stil, im Gegensatz zu manchen Soziologen und Philosophieprofessoren, die ihre rasenden Wortgeflechte (Schopenhauer), die sie da setzen, auch noch für klug halten.
Aber trotzdem: Ich hab zwei oder drei pdfs von Zimmer gelesen. Es ermüdet, denn Zimmers Gedanken scheinen sich auf das zu beschränken, was mithilfe der formalen Logik exakt eingegrenzt werden kann. Damit kein Wort gegen die Logik – Gott bewahre! Aber Du hast das schön gesagt: “… bestimmte Aussagen in die Sprache der Logik hinein zu formalisieren …” – und das ist ermüdend und langweilig. Schnarch!
Apropos „empirische Wissenschaft“:
Das bringt es doch gut auf den Punkt:
http://www.theoblog.de/wp-content/uploads/2012/01/FH_TA.pdf
Zitat: „ (iii) Der Autor will von Offenbarung als Geschichte (Wolfhart Pannenberg),
nämlich von der wunderbeglaubigten Inkarnation Gottes in Jesus Christus, nichts
gehört haben – denn dies ist ja gerade ein empirisches Offenbarungsereignis, dessen
Zeugnisse (die Evangelien) von einem Historiker wie Dr. Jürgen Spieß als historisch
derart glaubwürdig angesehen wurden, dass er Christ wurde.“
Lukas 1, 1 – 4:
Nachdem viele es unternommen haben, einen Bericht über die Tatsachen abzufassen, die unter uns völlig erwiesen sind, wie sie uns diejenigen überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, so schien es auch mir gut, der ich allem von Anfang an genau nachgegangen bin, es dir der Reihe nach zu beschreiben, … damit du die Gewissheit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist.
1. Johannes 1, 1 – 2
Was von Anfang war, was wir gehört haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens – und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns erschienen ist -,