Erschöpft, ausgebrannt, arbeitsmüde

Burnout heißt die neue Zivilisationskrankheit – jeder neunte Deutsche ist betroffen. Immer häufiger trifft es junge Akademikerinnen: Ehrgeizige Karrierefrauen, die alles auf einmal schaffen wollen und daran zugrunde gehen.

In den Praxen fällt auf, dass die Patienten immer jünger werden. Und immer weiblicher. Eine Gruppe kreisen die Fachleute als besonders gefährdet ein: junge Frauen, Anfang 30, hochbegabt, ehrgeizig. Akademikerinnen in der »Rush-hour des Lebens«, die auf der Höhe der körperlichen Kraft und der Leistungsfähigkeit an Grenzen stoßen; »Weltrekordlerinnen«, wie sie Burisch [Anmerkung: Professor Matthias Burisch aus Hamburg] nennt, die alles auf einmal wollen: tolle Karriere, toller Mann, tolle Kinder. Schwäche zeigen ist dabei verboten, zumindest glauben sie das. »Sonst haben wir schon verloren gegen die Männer, können uns nicht behaupten gegen die Karriereheinis in unserem Umfeld«, sagt Mareike. In ihrer Kur traf sie auf ganze zwei Männer – der Rest ausschließlich Frauen.

Hier der Artikel von Georg Meck: www.faz.net.

Jungs von heute – verweichlicht und verweiblicht

Kleine Männer wollen laut sein, raufen, sich beweisen und trotzdem geliebt werden. Doch dafür ist in der pädagogisch korrekten Frauenwelt von heute kaum noch Platz. Jungs werden mehr und mehr in Watte gepackt, harmonisiert und verweichlicht. Warum eigentlich?

Langsam kommt also Schwung in die Debatte um den Mann von morgen. Wolfgang Bergmann, Autor des Buches Ich bin der Größte und ganz allein: Die innere Not unserer Kinder: Der neue Narzissmus unserer Kinder, hat für DIE WELT »Jungs von heute – verweichlicht und verweiblicht« geschrieben:

Die Welt ist für Jungen zu eng geworden. Viel zu normiert. Und langweilig. Was ihnen Spaß macht, ist meistens verboten. Was sie besonders gut können, wird nirgends verlangt – im Kindergarten nicht und in der Schule auch nicht. In der pädagogischen Welt hat sich scheinbar alles verschworen, ihnen ihre „männlichen“ Eigenschaften abzugewöhnen. Jungen werden unruhig dabei, fahrig und eine immer größere Zahl sogar seelisch krank, hyperaktiv oder depressiv.

Hier der Artikel: www.welt.de.

Es steht nicht gut um den Mann

Männer sind gegenüber den Frauen auf dem Rückzug, darin waren sich die Teilnehmer auf dem Männerkongress in Düsseldorf schnell einig. Die Fakten sprechen gegen die Testosteronwelt: Männer begehen häufiger Selbstmord, Frauen reichen öfter die Scheidung ein und dann ist da noch die Sache mit dem Fußball.

Jan Draeger berichtet für DIE WELT über den bereits erwähnten Männerkongress:

Der Baseler Männerforscher Walter Hollstein provoziert mit seinem Bild vom Abschied des starken Mannes am meisten und angenehmsten. Männer seien im Laufe der Geschichte um viele ihrer Fähigkeiten enteignet worden. In der feministischen Literatur wurden Männer mit Nazis gleichgesetzt, ja ihre Vernichtung ausgerufen.

Negative Bilder des Maskulinen seien in den Medien weit verbreitet, auch habe man sich fast schon daran gewöhnt, auf Kosten der Männer zu lachen. Soll sich der Mann heute statt in der Auseinandersetzung mit der Frau lieber allein auf die Suche nach dem Männlichen begeben? Doch die Abgrenzung, das zeigte eine Diskussion, ist nicht die Sache des modernen Mannes. Er mag es, so scheint es, eher kuschelig, ohne Reibung. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass so viele Frauen da sind. Denn Männer, so gab mancher der anwesenden Therapeuten, zu bedenken, reden offener, wenn sie unter sich sind.

Der muntere Professor Hurrelmann bringt es mit diplomatischen Geschick auf den Punkt: »Der neue Mann kann nur so gut sein wie die die neue Frau.« Ohne Gegensätze anscheinend kein Miteinander. Der verlässliche, ebenbürtige, aber auch so andere Partner muss her.

Hier der vollständige Artikel: www.welt.de.

Nachtrag: Auch DER SPIEGEL berichtet: www.spiegel.de.

Neue Männer – muss das sein?

Das Bild des Mannes unterliegt einer zunehmenden Fragmentierung und Defunktionalisierung bis hin zur Entwertung positiver männlicher Eigenschaften. Dies hat zu einer mittlerweile tiefgreifenden und häufig leidvollen Identitäts- und Orientierungskrise vieler Männer und Jungen geführt. Diese medial vermittelten Prozesse beeinflussen gesellschaftliche, gesundheitliche und demografische Trends.

Der Kongress »Neue Männer – muss das sein?« will den komplexen Ursachen nachgehen, diese aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und Ansätze für ein vielleicht gerade entstehendes neues Bild vom Mann sichtbar werden lassen.

Hier mehr Informationen zu der Veranstaltung, die vom 19. bis 20. Februar 2010 an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf angeboten wird: www.maennerkongress2010.de.

Kinder bringen nur noch emotionale Rendite

318XJZHBC3L._SL160_.jpgMeinhard Miegel schreibt in seinem Buch Die deformierte Gesellschaft: Wie die Deutschen ihre Wirklichkeit verdrängen (Berlin-München 2002, S. 21–22):

Nüchtern betrachtet, ist die niedrige Geburtenrate jedoch darauf zurückzuführen, dass Kinder in Wohlstands- und erwerbsarbeitsorientierten, kollektiv rundum abgesicherten und hochgradig individualistischen Gesellschaften oft weniger attraktiv sind als andere Lebensoptionen … Die Investition in Kinder rentiert sich allenfalls noch emotional. Der wirtschaftliche Aufwand, den sie erfordern, wird gegenüber den Eltern nur selten zum Ausgleich gebracht. Ihre Wirtschaftskraft ist fast vollständig vergemeinschaftet … Mitunter mag die Entscheidung zwischen den Optionen konfliktträchtig und schwierig sein. Die Lebenswirklichkeit zeigt jedoch, dass sie nicht mehr mit einer gewissen Selbstverständlichkeit zugunsten von Kindern fällt. Hierüber sollte es keine Illusionen geben: Die Kinderarmut individualistischer Wohlstandsgesellschaften ist nicht die Folge unbeabsichtigter Fehlentwicklungen, die sich durch zusätzliche Kindergartenplätze oder höhere steuerliche Freibeträge beheben ließen. Vielmehr ist sie Ausdruck des Wesenskerns dieser Gesellschaft.

VD: Den Hinweis auf nachfolgendes Zitat verdanke ich Jürgen Liminski vom Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie.

Wenn ein Kind zum Risikofaktor wird

Karriere trotz Kind? Bei vielen Arbeitgebern verschwinden Mütter automatisch vom Personalschirm. Soweit die Fakten. Es gefällt mir trotzdem nicht, wenn Eltern ihre Kinder als Karrierekiller einstufen. Anstatt ständig darüber nachzudenken, wie frau gleichzeitig Kinder haben und eine große Karriere machen kann, gehören die Bedürfnisse der Kinder ins Zentrum der Diskussion. Die Bindungstheorien und der gesunde Menschenverstand zeigen, dass Kindern nichts mehr hilft als fürsorgliche und verlässliche Eltern, die ihren Kids zeigen, dass sie nicht Last, sondern eine unschätzbare Bereicherung sind. Der eigentliche gesellschaftliche Skandal ist, dass sich heute eine Mutter, die sich als Hausfrau (oft mit wenig Geld) liebevoll um ihre Kinder kümmert und damit einen wertvollen volkswirtschaftlichen Nutzen erwirtschaftet, als Versagerin fühlen muss. Eine Gesellschaft, in der Eltern ihre Kinder als Risikofaktoren für die eigene Karriere einstufen, steckt mächtig gewaltig in der Krise.

Hier der Artikel »Warum Kinder oft Karrierekiller sind«: www.rp-online.de.

Ganz andere Töne schlägt Gerhard Amendt an. Er wirft den Männern vor, sich nur halbherzig gegen die Auswüchse des Feminismus gewehrt zu haben. Im Interview auf WELT ONLINE spricht der Soziologe über die Missverständnisse zwischen den Geschlechtern und plädiert für ein komplementäres Rollenverständnis:

Da hat leider der Feminismus ganze Arbeit geleistet, weil er alles als eine Frage von Schuld und Friedfertigkeit, von Überlegenheit und Unterlegenheit darstellt, aber nie als komplementäre Verhältnisse. Der Geschlechterdiskurs muss auch aus der Fixierung heraus, dass alle alles können müssen. Gleichheit herrscht, wenn man akzeptieren kann, dass Männer und Frauen unterschiedliche Fähigkeiten haben, und immer eine Differenz bleibt, die etwas mit dem Wesen der Männlichkeit und der Weiblichkeit zu tun hat.

Hier das vollständige Interview: www.welt.de.

»Mama hat Ferien vom Herd«

Diese Werbung für den »Wienerwald« haben wir vor zwei Tagen in einer SPIEGEL-Ausgabe aus dem Jahr 1964 gefunden. Meine Frau hat die Anzeige gerahmt und sucht nun nach einem guten Platz im Wohnraum (vorzugsweise in der Küche). Was sagt uns das über die Familienklischees der Nachkriegszeit? Was sagt es über uns?

Hier der Werbetext:

Am Sonntag bleibt die Küche kalt – da geh’n wir in den Wienerwald! Eine prächtige Idee: Mutti hat einmal in der Woche »Ferien vom Herd«! Sie braucht nicht zu braten, nicht anzurichten und abzuspülen. Denn die ganze Familie geht sonntags in den Wienerwald (– das war Vatis Idee!). Und zum Essen gibt es knusprige Hendl, goldbraune pommes frites und pikante Salate, – dazu ein Glas Wein für die Eltern – Ein wahres Sonntagsessen! In mehr als 70 Städten in fünf Ländern Europas bieten über 140 Brathendlstationen freundliche Gastlichkeit – täglich von 11 Uhr vormittags bis in die späte Nacht.

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Serielle Monogamie statt Ehe?

Die Deutschen heiraten immer später und immer seltener: Während Frauen 1975 im Durchschnitt bereits mit 23 und Männer mit 25 Jahren heirateten, waren im Jahr 2008 erstmalig heiratende Frauen durchschnittlich 30, Männer sogar 33 Jahre alt. Heiraten war in den 70er Jahren noch eine biographische Selbstverständlichkeit, mehr als 90 Prozent der ledigen jungen Erwachsenen entschieden sich für die Ehe als Lebensform. Seitdem hat sich der Anteil der zeitlebens unverheiratet bleibenden Erwachsenen mehr als verdreifacht: Gegenwärtig schließen noch etwa zwei Drittel der Frauen und etwa 60 Prozent der Männer mindestens einmal in ihrem Leben eine Ehe. Parallel zur sinkenden Heiratsneigung ist das Scheidungsrisiko gestiegen – mittlerweile werden etwa 40 Prozent der Ehen wieder getrennt.

Mehr dazu auf der Internetseite des Instituts für Demographie, Allgemeinwohl und Familie: www.i-daf.org.

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