Warum ist Sex etwas Besonderes?

Jeffrey Olen und Vincent Barry fragen in ihrem Buch Applying Ethics: A Text with Readings:

Warum sollte Sex nicht wie jede andere Aktivität behandelt werden? Warum sollten wir es als moralisch einwandfrei betrachten, mit jemandem Tennis zu spielen, den wir nicht lieben, aber als unmoralisch, mit jemandem Sex zu haben, den wir nicht lieben? Warum sollten wir es als moralisch einwandfrei betrachten, mit einer Per- son des gleichen Geschlechts Mittag zu essen, aber als unmoralisch, mit der gleichen Person Sex zu haben? Warum sollte es uns erlaubt sein, aus reinem Vergnügen einen Film zu schauen, aber nicht, aus reinem Vergnügen Sex zu haben? Wodurch zeichnet sich Sex aus, dass solche besonderen Regeln dafür notwendig sind?

Mein Kollege Thomas Johnson gibt im MBS Text 145 »Warum ist Sex etwas Besonderes?« eine Antwort: mbstexte145.pdf.

John Piper: A Sweet and Bitter Providence

John Pipers neues Buch über Ruth und Boaz:

kann hier als PDF-Datei gratis herunter geladen werden: BSBP.pdf.

Puritanische Lust

Edmund Leiters schreibt in seinem bemerkenswerten Buch:

Zumindest in einer Hinsicht hat sich Weber [gemeint ist Max Weber] völlig getäuscht. Der Puritanismus ist zutiefst von einer Ethik beseelt, die weltbejahend ist. In ihrer Philosophie der Ehe, eines der wichtigsten Lebensbereiche für den Puritanismus, fordern Prediger und Theologen die spontane Freude, die sexuelle Befriedigung und das Vergnügen aneinander. Sie bejahen den inneren Wert des Vergnügens und der Erquickung, die Ehegatten einander spenden können. Aus ihrer Sicht müssen diese Freuden nicht durch einen weitergehenden spirituellen Zweck gerechtfertigt werden, wenngleich die Ehe für sie spirituelle Ziele besitzt; die Freuden der Ehe sind Güter an sich, die dem natürlichen menschlichen Bedürfnis nach Gesellschaft und Liebe entsprechen. Der Puritanismus kann daher nicht als eine durch und durch asketische Religion gelten.

Recht hat Weber dagegen, was die Forderung der Puritaner nach gründlicher Selbstdisziplin angeht. Puritanische Prediger forderten in allen Lebensbereichen – Ehe, Arbeit, Politik, Familie, Krieg – eine auf die Schaffung konstanter und verläßlicher Motive gerichtete, systematische Selbstdisziplin. Dies galt ebenso für die Liebe zum Ehegatten wie für die beim Genuß von Reichtum und irdischen Gütern zu übende Zurückhaltung. Der Ruf nach moralischer Beständigkeit hatte in der Tat immer dann asketische Konsequenzen, wenn man der Meinung war, daß die Freuden der Welt einer Preisgabe der Selbstdisziplin und der moralischen Stetigkeit gleichkamen. Die Hauptströmung des Puritanismus sah in der ehelichen Sexualität keine Gefahr für die moralische Beständigkeit; vielmehr sah sie in ihr eine bemerkenswerte und gelungene Harmonie der sinnlichen, moralischen und spirituellen Bande.

Merkmal der sexuellen Identität in das Grundgesetz aufnehmen

Die SPD-Fraktion möchte das Merkmal der sexuellen Identität in das Grundgesetz einfügen. Dazu hat sie einen Gesetzentwurf (17/254) vorlegt. Nach den Vorstellungen der Fraktion soll Artikel 3 (»Gleichheit vor dem Gesetz«) nach den Wörtern »wegen seines Geschlechtes« einen entsprechenden Formulierung enthalten.

In einer Pressemitteilung des Deutschen Bundestages dazu heißt es:

Die Sozialdemokraten schreiben unter anderem, Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen seien in unserer Gesellschaft auch heute noch Anfeindungen, gewaltsamen Übergriffen und Benachteiligungen ausgesetzt. Gesetzliche Diskriminierungsverbote hätten zwar die rechtliche Situation der Betroffenen deutlich verbessert. Ein ausdrückliches Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität im Grundgesetz schaffe jedoch eine klare Maßgabe für den Gesetzgeber. Es stehe für das deutliche Bekenntnis, dass Gesichtspunkte der sexuellen Identität eine ungleiche Behandlung in unserer Gesellschaft unter keinen Umständen rechtfertigen könne.

Letzter Halt Sex

Der Filmemacher, Arzt und Psychologe Manfred Bölk begleitete Jugendliche auf ihrer Suche nach Identität. Er beginnt seine Reise dort, wo die Abgründe, an denen Kinder in Deutschland leben, mit am deutlichsten sichtbar sind, in Berlin-Hellersdorf. Warum hier vieles deutlicher zutage tritt als in anderen Teilen der Republik, hat seinen Grund in der einzigartigen Einrichtung Arche – Christliches Kinder- und Jugendwerk e.V. des Berliner Jugendpfarrers Bernd Siggelkow und seiner Mitstreiter, die seit mehr als einem Jahrzehnt mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

In der Filmvorschau heißt es:

Sie heißen Cheeks und Jenny, Nadine, Roger oder Yasmina. Sie sind 13, 15, 17 oder 19 Jahre alt. So unterschiedlich sie sind, sie haben zwei gemeinsame Leidenschaften: Rappen und Sex. Der Rap, der brachiale Sprechgesang der Straße, bringt ihr Lebensgefühl in einer brutalen Umwelt zur Sprache. Sex ist in ihrer Welt nahe des zivilisatorischen Abgrunds oft der letzte Halt. Cheeks träumt davon, es mal mit drei oder vier Mädchen gleichzeitig zu machen, Jenny taumelt von einem One-Night-Stand zum nächsten, von einer Schwangerschaft in die nächste. Cheyenne hat jahrelange, brutale Vergewaltigungen durch ihren Vater zu verarbeiten und gerät mit 14 prompt wieder an einen, der sie betäubt und an seine Freunde verhökert.

Letzter Halt Sex (SWR): Kids am Abgrund wird am Mittwoch, 5. August 2009 um 23:30 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Weiter Informationen zum Buch von Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher: Deutschlands sexuelle Tragödie: Wenn Kinder nicht mehr lernen , was Liebe ist, sind hier zu finden.

Was macht Sex so speziell?

Mein Kollege Thomas K. Johnson hat eine kleine Philosophie der Sexualität geschrieben. Der MBS Text 132 »What Makes Sex So Special?« kann hier frei herunter geladen werden: Ethics of sex.pdf.